Dein Wille geschehe

Glasrosette der Kirche Maria Rast, Steinbach bei Mauerbach
Eigentlich hatte ich gefunden, dass ich mit diesem Satz ohnehin gar nicht so schlecht zurechtkomme. Die Welt ist nun einmal so, wie sie ist, und das ist tunlichst zu akzeptieren, will man nicht unnötig anecken.
Auch gelingt es mir – vielleicht nur eine winzige Spur zu pflichtschuldig – an jedem Tag zu beten und für genau das zu danken, was er gebracht hat:
Heute geht’s mir zwar nicht so gut, doch ich weiß, dass Du wieder angenehmere Zeiten für mich bereithältst. - Danke für diesen wunderschönen Tag, aber lass mich darüber nicht vergessen, dass unweigerlich wieder einer kommen wird, an dem ich mich erneut plagen muss…

Als ich kürzlich über ein Textfragment stolperte, das einen guten Wunsch für eine Person ausdrücken sollte, hat mich die ungewöhnliche Kombination seiner drei Teile richtiggehend elektrisiert:
„Stärkung des ICH-Wertgefühls unter der Sonne (Dein Wille geschehe)“.
Was war wohl die Motivation, diese Themenumfelder so zueinander in Beziehung zu bringen?
Vor der Überbetonung des ICH wird doch allgemein gewarnt. Was hat das dann trotzdem mit Demut zu tun? Und wozu ist es nötig, eine Art geographischer Festmachung hinzuzufügen?

Nun gibt es ja die Wendung „das Böse unter der Sonne“. Genauso, wie man sich vorstellen könnte, dass damit ausgedrückt werden soll, dieses gehe über unsere Welt hinaus, stamme nicht einmal unbedingt von ihr, könnte die Sonne auch augenzwinkernd-wohlwollend über einer positiven Entwicklung stehen, wie es sie die Fähigkeit des Menschen zu einem bewussteren Eintreten für ein gesundes, starkes Selbst darstellt.
Dabei handelt es sich genau nicht um einen aufgeblasenen Selbst-zweck, sondern um das Rüstzeug zum aufmerksamen und selbst-bewussten Verfolgen des Weges, der eine jede und einen jeden von uns zu Gott hinführt.

„Dein Wille geschehe“ ist keine Unterwerfung gegenüber Unbekanntem, sondern das Hineinbegeben in meine Fülle, die genau dort ist, weil Gott sie dort für mich bereithält.
Alles andere ist deswegen die Unfreiheit, weil ich dann einem menschlichen, abseits von Gott erzeugten Willen nachlaufen würde, seien es meine persönlichen fehlgeleiteten Ziele und Begehren, sei es ein nachahmenswert erscheinendes Konzept einer Vorbildfigur.
Im Zuge dessen ist es nur allzu verlockend, die eigenen Vorstellungen und Behaglichkeiten als Willen Gottes auszugeben. Hat man das einmal durchschaut, braucht man es auch den anderen nicht zu verübeln, wenn es ihnen nicht einmal auffällt, dass sie genau das tun.
Man muss aber auch nicht mitspielen, und das Gute daran ist, dazu ist nicht einmal ein Kampf nötig. Auch wenn es wie ein Widerspruch klingt: Es gibt immer eine Möglichkeit, sich einer unstimmigen Situation verbindlich zu entziehen – wenn man nur nicht in das Gegenteil gekippt ist und das eigene Befinden zum Maßstab gemacht hat…

Dein Wille geschehe – für meinen persönlichen Weg zwar schon seit längerer Zeit die zentrale und sogar die tröstlichste aller Aussagen des Vaterunsers – hat durch diesen Satz ihr noch unmittelbareres Hereinreichen in meine konkrete Lebensumgebung erfahren.


P.S. Anregung zu vielfältigsten Meditationen über die zentralen göttlichen Wahrheiten bieten diese Interpretationen zum Vaterunser: http://www.amen-online.de/gebet/vaterunser/auslegung_adolphsen.html