Heute noch wirst du bei mir im Paradiese sein

Eine der Lesungen in der Osternacht, die laut Liturgen zu denen gehört, die eher selten ausgesucht werden, ist die alttestamentliche Geschichte von Abraham und Isaak, den Gott von ihm als Opfer fordert.
So lange musste Abraham auf dieses Kind warten, so sehnlich hatte er es sich gewünscht, und dann soll er so bald wieder auf es verzichten? Wie kann Gott so grausam sein?

Und doch war Abraham bereit, den Willen Gottes zu tun.
Das Faszinierende an der Geschichte ist für mich nämlich die Unmittelbarkeit, mit der Abraham Gottes Wünsche versteht und ausführt, und zwar beide: den der widerspruchslosen Hingabe und - gar nicht so lange später - jenen, der den ersten widerruft und der den Ausweg zeigt, welcher anfangs noch nicht erkennbar gewesen war.

In einer Gesprächsrunde bekamen wir einmal die Frage gestellt:
Was ist Dein Isaak?
Was ist Dir so wichtig, dass Du es am liebsten vor Gott verbergen willst, dass Du Dich überwinden müsstest, um es ihm darzubringen, dass Du seine diesbezügliche Frage am liebsten ausblenden möchtest, die Beschäftigung damit vor Dir herschiebst?

Wir Menschen tendieren dazu, in Gott menschliche Beweggründe hineinzuinterpretieren und das schlägt sich sogar in der Wortwahl der Bibel nieder.
Aber es ist nicht Gott, der erprobt und für unterwürfiges Verhalten Pluspunkte verteilt, sondern wir sind es, die nicht alle Bereiche unseres Lebens vor ihn hintragen wollen.
Darauf werden wir von unserer inneren Stimme hingewiesen, und je verzweifelter wir an unseren eigenen Vorstellungen festhalten wollen, desto unannehmbarer erscheint uns der bloße Gedanke daran, sie aufzugeben. 

Um zu Gott zu gelangen, muss ich alles weglassen, was mich an irdischen Wünschen und Begierden festbindet. Erst dann entwickle ich auch das Gespür dafür, wie viele von seinen Anforderungen sich als gar nicht so unannehmbar herausstellen, weil mir auch erst dann die sonnenklare Lösung ins Bewusstsein treten kann!

Auch wollen wir so furchtbar gerne einteilen, wer von den anderen in Gott eingeht und wer nicht. Doch diese Polarisierung müssen wir ebenfalls aufgeben.
Die Frage bei den beiden Schächern ist nämlich weniger die, wie sie in der bisher gängigen Lesart der Kreuzigungsszene zu finden ist: Der eine geht ins Paradies ein, weil er sich brav und reumütig zeigt und dadurch wohltuend vom anderen abhebt, dem durchaus Recht geschieht, wenn sich Jesus um ihn und seine Verstocktheit nicht kümmert.

Sondern: Der eine wird sofort zusammen mit Jesus auferstehen, weil er sogar unter diesen extremen Bedingungen dem wortlosen Ruf seiner lockenden Liebe gefolgt ist, sobald er sie wahrgenommen hat.
Der andere muss eben noch einen Läuterungsprozess durchmachen in dem Feuer der Güte Gottes, das bis zum Ende reinigend ist.

Denn Gott hat alle Zeit der Welt.