Worauf warten wir denn?

Advent = Ankunft.
Bevor jemand oder etwas ankommen kann, heißt es warten.

Doch worauf warten wir eigentlich?
Wir warten auf das Hereintreten des Christus, des Gesalbten, in unsere Welt.
Aber was bedeutet das in meinem Leben?

Gerade zu den kirchlichen Hochfesten kann es leicht passieren, dass man sich von den mit ihnen assoziierten Schlagworten förmlich überschüttet fühlt. Auf eine recht drastische Weise wird man auf die Einsicht zurückgeworfen, dass es oft im Leben zuerst einmal darum geht, nicht auf fertig gelieferte Antworten zu bauen, sondern Fragestellungen zuzulassen und die damit verbundene Unsicherheit auszuhalten.

Dann... und dann, wenn man Glück hat, erlebt man, wie sich die Einstellung blitzschnell in das Gegenteil verkehrt und dass in dieser von allen als heilig bezeichneten Zeit tatsächlich alles anders ist. Plötzlich ist der Himmel wirklich offen und einige sehnlich erwarteten Antworten treffen ein, ganz persönlich und dennoch auch wieder unspektakulär. Es braucht nur ein wenig bereitwilliges Hinhören, dann erklingt - und es ist gar nicht notwendig zu ergründen, von wo genau - die unbändige Freude der Gewissheit:

Jeder Mensch ist einmalig, jeder hat seine Geschichte und aus jedem spricht Christus zu mir. Von einigen lerne ich gerne, bei anderen ist es ziemlich anstrengend. Manchen brauche ich nur im Vorübergehen zuzunicken, andere sind mir sozusagen für eine komplexere Botschaft zugeteilt.

Doch am Ende wartet Gott auf alle von uns mit seiner läuternden Liebe, die er zum Zeichen der Verbundenheit menschliche Natur annehmen hat lassen. Mehr noch: Indem der Heiland sein Erdendasein als unverständiges Kind begonnen hat, erinnert er uns daran, dass auch in jedem Mitmenschen, ob wir ihn aktuell verehren oder ablehnen, ein ursprünglicher, unverbogener Kern steckt und dass wir auf des Vaters alles ordnende Gnade vertrauen können.