Bleibt in seiner Liebe!



Der Grund, warum ich in der Annakirche gelandet bin, liegt in meiner Begeisterung für alles Salesianische.
Nur an einem Satz des Heiligen stoße ich mich unweigerlich, seit ich ihn das erste Mal gelesen habe:

"Wenn du vom Gebet kommst und ein trauriges Gesicht zeigst, so hast du schlecht gebetet. Wer von Gott kommt, muss die Freude tragen."

Bei dieser Verhaltensregel wird mein Widerspruchsgeist am Köcheln gehalten. So, wie ich Gott kennengelernt habe, gibt es bei ihm doch keinen Erfolgs- oder Anpassungsdruck!

Im Gegenteil, womit ich mich von ihm gesegnet fühle, sind die stets passenden Textstellen und Internetfunde, die mich immer im allerverzwicktesten Moment aus einer Situation heraus- und weiterführen, verbunden mit den unorthodoxen Assoziationen, die dann aus meinem Gedächtnis heraufgespült werden.

Diesmal war es die Geschichte einer Freundin, die, während Exerzitien bei einer Frage feststeckend, sich einfach in die Kapelle gesetzt und gesagt hat: „Jesus, ich will das jetzt von Dir wissen. Ich gehe nicht weg, bevor ich eine Antwort habe.“

 „You should be prepared to believe six impossible things before breakfast.”

Geschockt und fasziniert, wie man mit Gott so respektlos reden kann, aber dennoch getreu meinem von Agatha Christie übernommenen Lebensmotto, musste ich das bei nächster Gelegenheit auch ausprobieren und setzte mich an einem Samstagvormittag in eine Kirche.
Es dauerte eine gute halbe Stunde, bevor mir dämmerte, was in meinem Fall überhaupt die Frage war:
Werde ich geliebt, so wie ich bin, mit allen meinen Fehlern und Unzulänglichkeiten?
Portionsweise und langsam sickerte die Antwort ein, bis – bereits nach dem Mittagsläuten - ein rundum ruhiges, befriedetes Gefühl anzeigte, dass die Frage affirmativ beantwortet worden war.
Dennoch stand ich nicht sofort auf, um wieder in den Alltag hinaus- und weiterzurennen, sondern ließ das Erlebte nochmals ohne Zeitdruck nachwirken, um möglichst viel davon mit in den Nachmittag zu nehmen.

Trotz alledem drohte dieses Anschauungsstück in Sachen erhörter Gebete in Vergessenheit zu geraten, hätte sich nicht noch ein irgendwann irgendwo aufgeschnapptes und als faszinierend befundenes Stückchen Information aufgedrängt:

In der so genannten Festhaltetherapie wird Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten dadurch ihr Urvertrauen zurückgegeben, dass sie die in der prägenden Phase entbehrte uneingeschränkte Zuwendung von ihrer Bezugsperson ein für alle Mal erhalten.
Oft hat in einer Familie ja eigentlich jemand anders als der Symptomträger sein Verhalten zu ändern, und so ist es meist die Mutter, die in einer einzigen zeitunbeschränkten Sitzung so lange ihr Kind in einer Decke eingewickelt festhalten soll, bis dieses von der Abwehr in ein Genießen der Nähe gelangen kann.
Wer in diesem Zusammenhang von Freiheitsberaubung spricht (denn das Kind sträubt sich tatsächlich oft mehrere Stunden gegen das Festgehaltenwerden), hat jedoch den Sinn der Anstrengungen nicht verstanden: Beide Beteiligten, Mutter und Kind, müssen - ermutigt und gestützt durch eine erfahrene Begleitperson – gegenseitig die gesamte Palette an auftretenden Gefühlen ertragen, ohne sich entziehen zu können, erhalten aber als Lohn eine bisher nicht gekannte Tiefe in ihrer Beziehung.

Doch ich bin erwachsen, deshalb ist es jetzt meine Sache, das Durchhaltevermögen in meiner Beziehung zu Gott selbst zu entwickeln. Denn das weiß ich ja: Er steht bereit, um alles gut zu machen.
Wenn es mir also jetzt manchmal passiert, dass ich nicht mit Freude vom Gebet weggehe - und mir dafür nicht auch noch kritisiert vorkommen will - dann liegt es tatsächlich an mir, mich das nächste Mal wieder vorbehaltlos genug von ihm umhüllen zu lassen, um die Geduld aufbringen zu können, seine Botschaft zu hören, die da immer und für alle lautet: „Du bist meine geliebte Tochter, du bist mein geliebter Sohn!“

Wenn ich diese Intimität zulasse, können jegliche zuvor als unmöglich empfundenen Dinge in mein Leben treten, mindestens sechs davon schon vor dem Frühstück.