Der Geist weht wo er will


Wir wissen, wenn der Geist aufbräche in uns, müssten wir uns ändern, würde sich alles ändern.
Deshalb beschränken wir diesen Geist in uns, sorgfältig:
Durch Buchstaben und Gesetze, durch Richtlinien und Regeln, durch Traditionen und Institutionen.
Wir haben diesem Geist ein dauerhaftes, massives Haus gebaut.
Wir meinen, mit dem eingesperrten Geist gingen wir keinerlei Risiko ein. Keine Experimente, nur nicht unsere Möglichkeiten überschätzen, keine Übertreibungen bitte, nur schön maßvoll.

Das dachten sie, das hofften sie, aber plötzlich konnten sie Gottes Kraft nicht mehr festhalten.
Sie brach in ihnen auf, und bevor sie wussten, was ihnen geschah, standen sie auf der Straße, standen sie in der Welt, vor der sie sich vorher noch gefürchtet hatten.


Leider kann ich den Urheber, die Urheberin dieses Textes nicht zitieren.
Ich weiß nur noch, dass ich ihn mir vor Jahren aus einem Pfarrblatt kopiert habe.
Die darin enthaltene Aufforderung ist zeitlos, nur meine Assoziationen ändern sich.
Wenn ich also heute nach Lektüre dieser zufällig wiederaufgefundenen Zeilen am liebsten allen anderen rund um mich zurufen möchte: "Sperrt euch doch nicht gegen längst fällige Reformen, versteckt euch doch nicht hinter immer spitzfindigeren Anweisungen!", so weiß ich dennoch, dass der nächste Schritt bei niemandem anderen liegt als bei mir selbst.

Deshalb sollte es öfter solche Aktionen geben wie damals, als ich Teil eines engagierten Häufleins Freiwilliger aus verschiedenen Pfarrgemeinden war, die auf einem Wiener Markt Erfrischungen und Bibeltexte verteilten. Irgendwie wurde mir klar, dass ich das nicht mache, um konkrete Ergebnisse zu erzielen, sondern um mit dabei zu sein, außerhalb des unmittelbaren Kirchenumfeldes sichtbar zu werden. Im Grunde empfand ich es als eine Therapie für mich selber, auf unterschiedlichste Leute zuzugehen und vor allem gute Nachbarschaft anzubahnen.
Denn wenn es für den Glauben nicht reicht, nur sich selbst und seine eigene Kirchengemeinschaft zu verwalten, ist es gut, geduldig darauf zu vertrauen zu können, dass der Hl. Geist verborgen und beständig daran arbeitet, alle Menschen letztendlich in der liebenden Einigungskraft Gottes zusammenzuführen.


Das Pfingstereignis, seit 2000 Jahren alljährlich neu aufgelegt, immer wieder aktuell und doch immer wieder anders. Der Impuls zur Selbstreflexion und zum eigenen Handeln nährt sich aus vielfältigen Anregungen, wie z.B. diesen:
http://www.kath-kirche-vorarlberg.at/organisation/kirchenblatt/artikel/pfingst-sonntagslesungen-ploetzlich-geschieht-etwas bzw. http://www.kath-kirche-vorarlberg.at/organisation/kirchenblatt/artikel/jesus-und-seine-sache-bezeugen