Briefe vom Himmel: Wie Franz von Sales sich heute vorstellen würde

 
Ich weiß nicht, wie deine Beziehung zur Kirche aussieht.
Was mich betrifft, habe ich die Kirche immer geliebt und sie verteidigt.
Die Kirche hat natürlich ihre Fehler und bedarf ständig der Erneuerung und der Umkehr.
Da aber Christus selbst ihr Haupt ist, wird sie nie ihre Strahlkraft verlieren.
Ohne sie wäre die Botschaft des Evangeliums in dieser Welt nicht zu verwirklichen. 

1877 wurde ich von Papst Pius IX. feierlich zum Kirchenlehrer erhoben. Da es sich um eine besondere Ehre handelt, will ich lieber den Papst selbst zitieren: „Unter der Zahl der hervorragenden Männer erstand Franz von Sales, der Bischof von Genf, als Vorbild allbekannter Heiligkeit und als Lehrer der echten und frommen Wissenschaft. Er hat nicht nur durch das gesprochene Wort, sondern auch durch unvergängliche Schriften die Ungeheuer der aufsteigenden Irrtümer durchbohrt, den Glauben bekräftigt, die durch Laster verdorbenen Sitten gehoben und allen den Himmel offen gezeigt. Durch seine hervorragende Weisheit hat er das gleiche Lob verdient, von dem unser Vorgänger seligen Andenkens Bonifatius VIII. erklärte, dass es jene alten und vorzüglichen Lehrer der Kirche Gottes auszeichnete. Sie haben nämlich 'die Kirche durch heilsame Lehren erleuchtet, mit Tugenden geschmückt und durch den Lebenswandel geformt.’“
 
Vielleicht ist es für dich tröstlich zu wissen, dass in meinem Leben nicht alles gelungen ist. Viele meiner Ideen wurden erst nach meinem Tod verwirklicht, wie z. B. die Errichtung eines Priesterseminars. Meine Idee der "Laienspiritualität" oder "Weltfrömmigkeit" fand erst im Zweiten Vatikanischen Konzil des 20. Jahrhunderts allgemeine Anerkennung.

Verfasst von Schw. Agnes-Leonie Schaub OSFS

Weitere "Briefe vom Himmel" des hl. Franz von Sales finden Sie unter http://www.oblatinnen.at/index.php/spirituelle-impulse/briefe-des-hl-franz-v-sales bzw.
http://www.franz-sales-verlag.de/fsvwiki/index.php/Lexikon/Studien-BriefeVomHimmel

Bild: Franz von Sales-Fest 2016, Salesianum Rosental, Eichstätt - der Heilige blickt gleichsam in unsere Welt herein

Notwendigkeit des Betens


Das Gebet vermag nicht nur unseren Verstand zu erhellen, sondern auch unseren Willen von allen Abhängigkeiten zu befreien, und hat auf unser Bewusstsein eine reinigende Wirkung.
Das Gebet – vorausgesetzt, wir üben es täglich – macht den Weg frei, sodass uns das göttliche Licht berühren und unsere Innerlichkeit die Wärme göttlicher Liebe spüren kann.

Das Gebet ist eine Segen bringende Quelle, die unser Leben zum Grünen, Blühen und Fruchten bringt, vorher aber den Boden von allem Unguten und von das Wachstum hindernden Dingen befreit.

Durch das innerliche Gebet bereiten wir uns, dass uns Gottes erleuchtende Gnade erreichen kann, indem wir unsere Seele unter den Einfluss der Wahrheit und der Liebe Gotte stellen. Durch diese Hingabe fällt alles ab, was Gott missfällt.

Es ist empfehlenswert, mit der Betrachtung zu beginnen – besonders mit der Betrachtung des Lebens und Leidens Jesu Christi.

Aus: Peter Dyckhoff: Wege der Freundschaft mit Gott, geistlich leben nach Franz von Sales, S. 89

Peter Dyckhoff stellt sein neues Buch zum Ruhegebet am Mittwoch, 4. Mai 2016, um 19 Uhr in der Dombuchhandlung am Stephansplatz vor.

Salesianisches finden Sie unter: www.franzvonsaleslexikon.de

Seid barmherzig

Die Not der Anderen sehen und dagegen etwas unternehmen, selbst dann, wenn man zur Hilfe gar nicht verpflichtet ist, das ist die höchste Stufe der Barmherzigkeit. Der Barmherzige hat nicht nur Erbarmen mit den Fehlern und Schwächen des Anderen, weil auch Gott mit ihm Erbarmen hat, er hat auch Mitleid, hilft und lindert die Not des Anderen, und je mehr er dies tut, als umso barmherziger erweist er sich.

Franz von Sales besucht Gefangene

Franz von Sales schreibt im Theotimus V,4: „Mitleiden, Teilnahme am Leiden, Mitfühlen und Erbarmen,
das alles ist nichts anderes als eine Gemütsregung, die uns teilhaben lässt an dem Leiden und dem Schmerz dessen, den wir lieben, indem die Not, die er leidet, in unser Herz zieht. Daher nennt man sie Barmherzigkeit, wie wenn man sagen möchte, dass das, was Erbarmen erregt, in unseren Herzen ist.“

Entnommen aus: Herbert Winklehner, Der Weg der kleinen Schritte, Salesianisches Tugend – ABC, Franz-Sales-Verlag.

Ein Wort des hl. Franz von Sales zu jedem Tag finden Sie unter: www.osfs.eu "Zitat zum Tag".


Gebetsanliegen des Papstes April 2016

Für die Kleinbauern: für Anerkennung ihrer Arbeit und faire Preise.
Für die Christen Afrikas in den politisch-religiösen Konflikten: sie mögen für die Liebe Christi Zeugen sein.


Mit neuem Mut das Leben meistern

Ich habe vor allem die unbegreifliche Güte und Langmut erwogen, mit der Gott mich so väterlich in meinen Sünden ertragen, so oft und liebevoll zur Umkehr eingeladen, so langmütig auf meine reuige Buße gewartet hat, bis zu diesem Jahr meines Lebens trotz all meiner Undankbarkeit, Unredlichkeit und Untreue.

Und dieselbe göttliche Weisheit spricht durch den Mund des Propheten Ezechiel (33,10-11):
'Keiner sage, ich bin in Sünden verstrickt, wie kann ich wieder aufleben?
Denn so spricht der Herr: Ich lebe und so wahr ich lebe, will ich den Tod des Sünders nicht, sondern dass er von seinem Weg umkehre und lebe.'

Leben heißt aber bei Gott nichts anderes als lieben. 'Wer nicht liebt, der bleibt im Tod' (1 Joh 3,14).
Siehst du also Theotimus, ob Gott danach verlangt, dass wir ihn lieben?


(DASal 1,61; 3,11)

Auferstehung der kleinen Schritte

Immer dort,

Wo ein Stein voll Neid
Einem Steinchen Anerkennung weicht,

Wo ein Stein voll Hass
Einem Steinchen Freundlichkeit Platz macht,

Wo ein Stein voll Gewalt
Ein Steinchen Versöhnung zulässt,

Wo ein Stein voll Verzweiflung
Einem Steinchen Hoffnung Raum gibt,

Da beginnt ein kleines bisschen Auferstehung.


Das Gedicht stammt von der Osteraussendung der Krankenhausseelsorge SMZ Süd – Kaiser Franz Joseph-Spital.

Der Weg zum Glauben

Der heilige Franz von Sales wurde einmal von der heiligen Johanna Franziska von Chantal gefragt, ob er denn überhaupt nie Glaubenszweifel habe. Franz von Sales antwortete darauf: "Nein, eigentlich nicht. Und wenn, dann nur ganz kurz. Gott hat mich wahrlich mit einem festen Glauben beschenkt."

Der glückliche Franz von Sales, kann man da nur sagen. Er hatte fast keine Glaubenszweifel, und wenn, dann nur ganz kurz. Franz von Sales war dafür Gott sehr dankbar.

Uns selbst wird diese Antwort wahrscheinlich eher mit Neid oder auch Sehnsucht erfüllen: Warum ist das bei mir nicht so? Die Wirklichkeit des Glaubens sieht nämlich meist anders aus. Ich spüre das selbst und erfahre es immer wieder in so manchen Glaubensgesprächen: Der Glaube ist immer wieder wie ein auswegloser Zirkel: je mehr wir ihn bräuchten, umso weniger fühlt man ihn. Je dringender wir ihn nötig haben, desto weniger wissen wir, wo wir ihn suchen und finden sollen. Gerade dann, wenn uns die Zweifel packen, ist auch der Glaube verschwunden, aus dem wir in dieser Zeit Kraft schöpfen könnten.

Es bestätigt sich dadurch eines: Glaube ist etwas, das wir nicht im Griff haben können. Der Glaube ist Geschenk, Gnade. Ich kann wirklich nur meine Hände aufhalten, mich Gott öffnen und sagen: "Ja, Gott, ich will glauben. Ich will ja, aber ich kann es nicht - hilf meinem Unglauben."

P. Herbert Winklehner OSFS -
Ein Wort des hl. Franz von Sales zu jedem Tag finden Sie unter: www.osfs.eu "Zitat zum Tag".

Fastenzeit


Spirituelle Impulse vom Treffen der Salesschwestern am 8. 2. 2016

B edürftigkeit wahrnehmen
A ugen öffnen
R aum geben
M ut machen
H erzen weiten
E igenheiten zulassen
R andgruppen einladen
Z ukunft ermöglichen
I ntegration fördern
G emeinschaft leben
K irche gestalten
E rde schützen
I deen umsetzen
T ragfähigkeit erbitten

Quelle unbekannt

"Ich kann während der Fastenzeit entweder aus Liebe fasten, um Gott zu gefallen, oder aus Gehorsam, weil es die Kirche anordnet, oder aus Mäßigkeit, oder aus Fleiß, um besser studieren zu können, oder aus Klugheit, um notwendige Ersparnisse zu machen, oder aus Keuschheit, um meinen Leib zu bändigen, oder aus Ehrfurcht vor Gott, um besser beten zu können. Wenn ich will, kann ich alle diese Absichten auf einmal haben und aus all diesen Gründen fasten, doch muss ich da sehr auf der Hut sein, die Beweggründe in die richtige Reihenfolge zu bringen."

Hl. Franz von Sales, DASal 4,266


Thomas von Aquin (1225 – 1274) empfiehlt

Da du gefragt hast, wie du studieren musst, um den Schatz der Wissenschaften zu gewinnen, möchte ich dir folgenden Rat geben:

Illustration: Wikipedia
Wähle den Weg über die Bäche und stürze dich nicht gleich in das Meer!
Man muss durch das Leichtere zum Schwierigen gelangen.
Sei bedachtsam im Reden und gehe bedachtsam in ein Gespräch.
Erhalte dir die Reinheit des Gewissens, höre nicht auf zu beten!
Liebe deine Zelle, wenn du in den Weinkeller der Weisheit geführt werden möchtest.
Meide Streitgespräche, was immer auch beredet wird.
Versäume nicht, den Spuren der Heiligen und der Guten zu folgen.
Beachte nicht, von wem du etwas hörst, sondern wenn Gutes gesagt wird, merke es dir.
Suche nicht, was für dich zu hoch ist.

Wenn du diese Bahn einschlägst, wirst du lebendig bleiben und nützliche Frucht bringen im Weinberg des Herrn.

Ein Wort des hl. Franz von Sales zu jedem Tag finden Sie unter: www.osfs.eu "Zitat zum Tag".

Sanftmut

Sei darauf bedacht, dass Sanftmut und Demut in deinem Herzen wohnen.
Es ist ja einer der teuflischen Schliche, dass viele sich nur in Worten und äußeren Gesten dieser beiden Tugenden bedienen, ohne deren innere Akte zu pflegen. Sie bilden sich ein, demütig und sanftmütig zu sein, sind es aber in Wirklichkeit gar nicht. Das erkennt man daran, dass sie trotz allen sanftmütigen und demütigen Gehabens beim geringsten Widerspruch, bei der kleinsten Beleidigung mit unerhörter Heftigkeit aufbrausen.

Wer jenes Vorbeugungsmittel gegen Vipernbisse nimmt, das allgemein „Paulusgnade“ genannt wird, bei dem ruft der Biss einer Viper, sofern das Heilmittel ganz fein zubereitet ist, keine Schwellungen hervor. So schützen auch Demut und Sanftmut, wenn sie gut und echt sind, vor der Aufwallung des Zornes, die eine Beleidigung gewöhnlich im Herzen bewirkt.
Wenn wir, von bösen und feindlichen Zungen gestochen, aufbrausen, aufgebracht und ärgerlich werden, so ist dies ein Zeichen, dass unser demütiges und sanftes Reden und Gehabe nicht echt und wahrhaftig ist, sondern erkünstelt und geheuchelt. Als der heilige und berühmte Patriarch Josef seine Brüder von Ägypten zu ihrem Vater zurückschickte, gab er ihnen nur den einen Rat mit: „Zürnt einander nicht auf dem Weg!“ (Gen 45,24).

Illustration: Wikipedia unter Vierbergelauf
Das gleiche sage ich dir: Dieses armselige Leben ist nur ein Wandern zum ewigen Leben; zürnen wir also einander nicht auf dem Weg, gehen wir ruhig, friedlich und freundlich in der Gesellschaft unserer Brüder und Gefährten. Ich sage dir aber ganz eindeutig und lasse keine Ausnahme zu

Zürne überhaupt nie, wenn es möglich ist. Lasse keinen Vorwand gelten, der dein Herz dem Zorn zu öffnen vermöchte.


Franz von Sales, Philothea 3,8.
Sie finden die ganze Philothea unter www.philothea.de

Neugeburt

                                                                                        
Ich bin aus Gott wie alles Sein geboren,
ich geh in Gott mit allem Mein zu sterben,
ich kehre heim, o Gott, als Dein zu leben.


Erst wurde ich aus Deinem Ich gegeben,
dann galt es, dies Gegebne zu erwerben,
Dir als ein Du es Brust an Brust zu heben.


Da wollte Stolz es mittendrin verderben,
und es ward Dir, und Du warst ihm verloren...
Bis dass Du übermächtig mich beschworen!


Da ward ich Dir zum andernmal geboren:
denn ich verstand zum erstenmal zu sterben,
denn ich empfand zum erstenmal zu leben.

Christian Morgenstern



Eure Erlösung ist nahe


Der Herbst in seiner Farbenpracht ist dennoch das Ende von Blüte, Wachstum und Fruchtbarkeit.
Schnell kommen die ersten Boten des Winters.

Wetterumschwung!

Wir erleben in diesen Tagen große Veränderungen, Wetterumschwünge, die Angst machen, verunsichern -
überall, auch innerhalb unserer Gemeinschaft.
All das will unsere Hoffnung trüben.

Doch:

"Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe." 
Lukas 21,28

Weihnachten erzählt vom Licht im Dunkeln, vom Aufrichten, vom Erheben des gesenkten Hauptes. Menschwerdung ist Schlüsselwort salesianischer Spiritualität. Wer Mensch wird, wird ein Liebender!
Gott wird Mensch. Die Liebe erlöst. Das Licht beendet jedes Dunkel.

Ein ermutigendes, friedliches und erlösendes Weihnachtsfest

wünschen die Oblaten des hl. Franz von Sales!

Für das Kommende, das Jahr 2016, Hoffnung und Vertrauen!

Weihnachtskarte 2015 des Provinzialates der deutschsprachigen Provinz der Oblaten des heiligen Franz von Sales
Illustration: "Herbst im Gebirge" von Ines Höllwarth aus dem Nachlass von P. Dr. Anton Zottl OSFS


Widerstand gegen kleine Versuchungen


Hl. Judas Thaddäus
Man muss gewiss den schweren Versuchungen mit unüberwindlichem Mut widerstehen, und der errungene Sieg ist ohne Zweifel sehr wertvoll; trotzdem ist es noch nützlicher, die kleinen Versuchungen tapfer zu bekämpfen.
Wölfe und Bären sind gewiss gefährlicher als Mücken, sie plagen, ärgern und reizen uns aber bestimmt nicht so zur Ungeduld.
Es ist nicht schwer, sich eines Mordes zu enthalten, wohl aber, alle kleinen Zornausbrüche zu unterdrücken, wozu fast jeden Augenblick Gelegenheit ist.
Es ist leicht, keinen Ehebruch zu begehen, nicht immer aber so leicht, jedes Liebäugeln zu meiden, zu verhindern, dass man Liebesäußerungen und Gunstbezeigungen empfängt oder gibt, Schmeichelworte unterdrückt oder zurückweist.
Es ist leicht, den Diebstahl zu meiden, schwerer dagegen, fremdes Gut nicht zu begehren; leicht, keinen Meineid zu schwören, aber schwer, in Gesellschaft immer ganz bei der Wahrheit zu bleiben; leicht, dem Nächsten nicht den Tod zu wünschen, schwer, ihm einen Nachteil nicht zu gönnen; leicht, ihn nicht zu verleumden, schwer, ihm keine Geringschätzung zu zeigen.
Mit einem Wort: diese kleinen Versuchungen zu Zorn, Argwohn, Eifersucht, Neid, Liebeleien, Narreteien, Eitelkeit, Doppelzüngigkeit und Geziertheit, unanständigen Gedanken, das sind die ständigen Plagen auch solcher Menschen, die am meisten zum frommen Leben entschlossen sind.

Franz von Sales, Philothea IV/8.
Sie finden die ganze Philothea unter www.philothea.de

Die moralische Kraft des Fürbittgebets

Es gibt eine Gebetsform, die uns besonders anspornt, uns der Evangelisierung zu widmen: das Fürbittgebet. Schauen wir für einen Augenblick in das Innere eines großen Evangelisierers wie des heiligen Paulus, um zu verstehen, wie sein Gebet war. Dieses Gebet war angefüllt mit Menschen: » Immer, wenn ich für euch alle bete, tue ich es mit Freude […] weil ich euch ins Herz geschlossen habe « (Phil 1,4.7). So entdecken wir, dass uns das Fürbittgebet nicht von der echten Betrachtung abbringt, denn die Betrachtung, welche die anderen draußen lässt, ist eine Täuschung.

Diese Haltung wird auch zu einem Dank an Gott für die anderen: » Zunächst danke ich meinem Gott durch Jesus Christus für euch alle « (Röm 1,8). Es ist ein beständiges Danken: » Ich danke Gott jederzeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch in Christus Jesus geschenkt wurde « (1 Kor 1,4). » Ich danke meinem Gott jedes Mal, wenn ich an euch denke « (Phil 1,3). 

Wir können sagen, dass das Herz Gottes durch unser Fürbittgebet gerührt wird, aber in Wirklichkeit kommt er uns immer zuvor, und was wir mit unserem Fürbittgebet ermöglichen, ist, dass seine Macht, seine Liebe und seine Treue sich mit größerer Klarheit unter dem Volk zeigen.

Aus: Papst Franziskus „Evangelii gaudium“ 281ff



Was wir zuerst brauchen

            Maria Schutz am Semmering, Niederösterreich            



Gott,
wir möchten zuerst immer alles andere und dann erst Dich.
Wir brauchen aber zuerst Dich, um alles andere zu bewältigen.
Wir brauchen die Erfahrung Deiner Gegenwart.
Wir brauchen die Hoffnung auf Deine Zukunft.
Wir brauchen den Glauben an Deine Gerechtigkeit.
Wir brauchen das Vertrauen in Deine Liebe.
Wir brauchen Dich, unseren Gott;
dann werden wir auch alles andere schaffen.
Du wirst es uns – schenken. Amen.

Theo Schmidkonz SJ

Gebet zum "Tag der Schöpfung", den Papst Franziskus mit den Orthodoxen Christen gemeinsam jährlich am 1. September feiern möchte

Wie wächst eine Pfarrei?


„Ich weiß, dass die Kirche kein Unternehmen ist“, sagt Pfarrer Michael White.
„Aber wir können folgende Haltungen von erfolgreichen Firmen lernen: Groß denken, aber nicht kompliziert sein! Negativem widerstehen, aus Kritik lernen und Verbesserungen erlauben. Und immer bereit sein zu lernen.“
Die einfache Mission der Pfarre lautet: „Liebe Gott. Liebe deinen Nächsten. Macht alle zu Jüngern!“


„Das Licht des Glaubens: Mit diesem Ausdruck hat die Tradition der Kirche das große Geschenk bezeichnet, das Jesus gebracht hat. ‚Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht im Finstern bleibt‘ (Joh. 12,46)
Wer glaubt, sieht; er sieht mit einem Licht, das die gesamte Wegstrecke erleuchtet, weil es vom auferstandenen Christus her zu uns kommt, dem Morgenstern, der nicht untergeht.“
(Papst Franziskus in Lumen fidei 1)


Weitere Anregungen unter www.osfs.eu,
www.franzvonsaleslexikon.de
www.pastoralinnovation.at

Urlaub = Erweiterung des Horizonts = neue Sichtweisen



Herr, unser Gott,

Für Deine unermessliche Liebe wollen wir Dir danken.
Gib, dass unser Herz immer mit dem Deinen verbunden bleibe.
Nimm uns auf in Deine Nähe.
Beschütze diejenigen, die Du mit Deiner Liebe gesegnet hast.
Herr, wir bitten Dich, nimm unsere Lobpreisungen und unsere Freudenrufe entgegen.
Gib, dass wir nicht aufhören, uns über jede einzelne Deiner Wohltaten zu erstaunen.
Für alles, was Du jedem einzelnen von uns angedeihen lässt, sagen wir Dir Dank.
Und gib, dass wir ohne Unterlass Deine Wunderwerke preisen.   AMEN


Pour ton immense amour, Seigneur, notre Dieu, nous voulons te rendre grâce.
Que notre cœur soit toujours uni au tien.
Accueille-nous auprès de toi.
Protège ceux que tu as consacrés par ton amour.
Seigneur, nous t’en prions, accueille nos louanges et nos cris de joie.
Que nous soyons toujours dans l’émerveillement pour chacun de tes bienfaits.
Pour tout ce que tu fais pour chacun d’entre nous, nous te disons merci.
Et que sans fin nous chantions tes merveilles.
AMEN

Gebet aus der Kirche St. Hippolyte / St. François de Sales in Thonon-les-Bains, Savoyen
Bild: Franz von Sales, Fenster der Kapelle der Oblatinnen des hl. Franz von Sales in 1080 Wien

Jesus macht in der Bergpredigt klar, worum es geht im Leben und Arbeiten

Zehn Möglichkeiten, was Erneuerungswillige ab sofort konkret tun können.
VON GEORG PLANK

Angesichts von offenen oder versteckten gewalttätigen und lebensfeindlichen Entwicklungen sind Christen und Kirchen heute gefordert. Das meint auch Innovation: säen, pflanzen und pflegen, damit gute Früchte wachsen können! Offensichtlich halten viele begeisterte Menschen Papst Franziskus für besonders innovativ. Sie freuen sich daher, wenn er den beharrenden Kräften die Meinung sagt. Wie kann man aber von der Begeisterung zur Umsetzung kommen? Wie können gesunde und schmackhafte Früchte wachsen? Was können kirchliche Gemeinschaften konkret dazu beitragen?

1. Keine Angst vor dem Schnitt.
Wie in einem Obstgarten müssen auch Organisationen regelmäßig einen Verjüngungs- und Pflegeschnitt durchführen. Wo gehören Verwucherungen durchforstet? Welche Wassertriebe oder verholzten Altäste fressen nur Zeit und Energie? Und welche alten Bäume haben ausgedient und müssen jungen Setzlingen Platz machen? Christen und Kirchen mit Mut zum gesunden Schnitt tun oft weniger, leiden kaum unter Stress, sind aber spürbar fruchtbarer.

2. Alles sein, nur nicht langweilig. 
Canterbury Cathedral Archbishop Bear
Christ sein ist spannend, oft ein Abenteuer, manchmal riskant, ja lebensgefährlich. Die Kirche Jesu ist lebendig und attraktiv. Nicht immer, klar. Aber wenn Langeweile und Irrelevanz die Regel sind, ist etwas faul. Gähnende Kinder in der Messe, fadisierte Erwachsene bei Vorträgen oder der oft stille Wegzug kritischer, selbstbewusster Männer und vor allem Frauen: Es gibt genug Warnzeichen. Darauf angemessen zu reagieren, zeichnet Innovatoren aus.

3. Die Warnungen vor Heuchelei beachten. 
Nichts wirkt so abstoßend wie Heuchelei. Mit Leuten, die sich gläubig gerieren und wichtig präsentieren, aber unglaubwürdig handeln, hatte schon Jesus die massivsten Probleme. Niemand muss und kann perfekt sein. Es geht um Glaubwürdigkeit. Die gewinnt man gerade auch dann, wenn man zu Fehlern steht, um Vergebung bittet und sich zu bessern bemüht. Wie generell Lernbereitschaft die Basis für Innovationen ist.

4. Vollmacht ausstrahlen. 
Gott sei Dank sind die Kirchen heute nicht mehr mächtig, können Menschen frei entscheiden und Pluralität nutzen. Wer nur auf Amtsautorität setzt, hat schon verloren. Wenn Zeitgenossen aller Milieus erleben: Da kann ich mich aufrichten, da gewinne ich Ansehen, da werde ich getröstet und gestärkt, da nimmt mich jemand ernst, werden alte und neue Orte neu attraktiv. Da strahlen Menschen und Gemeinschaften. Sie sind konkrete Heilmittel gegen die „Krankheit der Gleichgültigkeit“ und der „Versteinerung“ (Franziskus vor der Kurie) und den Moloch überbordender Profitgier.

5. Ärmel aufkrempeln für das Gute. 
Dazu sind viele Menschen, Vereine oder Unternehmen bereit, wenn es eine begeisternde Vision und faire Rahmenbedingungen gibt. Je stärker die Talente einzelner zum Zug kommen, umso mehr Wirkungen mit weniger Aufwand sind realistisch. Die Planer sollen sitzen, die Tüftler denken, die Besitzer spenden – die Umsetzer wollen etwas konkret anpacken. In einem gesunden Leib herrscht Ausgewogenheit.

6. Hinaus auf den Markt gehen. 
Die Zeit kirchlicher Monopole ist vorbei. Wird aber marktgerecht gehandelt? Der Religionspluralismus in den USA zeigt: Konkurrenz belebt die Sinne. Wären Caritas, kirchliche Schulen oder Ordensspitäler als Monopolisten auch so erfolgreich? Und wer Qualität will, muss messen! Warum Firmlinge nicht fragen, was ihnen zugesagt hat und was sie kritisch sehen? Wenn wegen jedes Handys oder Autos Evaluation und Marktforschung betrieben werden, wie viel mehr würde die Frohe Botschaft zeitgemäße Methoden verdienen!

7. Sich als Teil eines größeren Ganzen verstehen. 
Egal, ob es eine Firma, eine Pfarre oder eine Familie ist: Nur wo sich der Einzelne als Glied eines Leibes begreift, sind mehr Wirkungen möglich. Es braucht sowohl Vielfalt als auch die sinnvolle Zusammensetzung und lebendige Verbundenheit der Teile. Der Papst spricht von der Krankheit der schlechten Koordination: „Dann wird der Leib zum Orchester, das nur Lärm hervorbringt.“

8. Die Freude nähren. 
Entscheidendes wie Freude, Begeisterung und Wertschätzung kostet kein Geld. Hirnforscher können nachweisen, dass es diese Faktoren sind, die Menschen verändern und ungeahnte Potenziale heben können. Die „Krankheit der Totengräbermiene“ verhindert Innovation.

9. Jesus in die Mitte stellen. 
Egal, ob kirchlich sozialisiert oder religiös unmusikalisch, jede und jeder kann sich mit Jesus auseinandersetzen. Die Bibel ist weder ein Geheimbuch noch im Besitz von Profis. „Jesus Christus kann die langweiligen Schablonen durchbrechen, in denen wir uns anmaßen, ihn gefangen zu halten, und überrascht uns mit seiner beständigen göttlichen Kreativität. Jedes Mal, wenn wir versuchen, zur Quelle zurückzukehren und die ursprüngliche Frische des Evangeliums wiederzugewinnen, tauchen neue Wege, kreative Methoden, andere Ausdrucksformen, aussagekräftigere Zeichen und Worte reich an neuer Bedeutung für die Welt von heute auf.“ (Evangelii Gaudium)

10. Kreativ sein, humorvoll bleiben. 
Christen betrachten Innovationen als Landeplätze des Heiligen Geistes, der von Angst befreit, gute Ideen eingibt und Mut sowie Strapazfähigkeit zur Umsetzung schenkt. Innovatoren sind selten Einzelkämpfer, sie lieben die Arbeit in Teams. Sie genießen nämlich die Gemeinschaft, auch wenn es manchmal Reibung gibt, als Quelle von Energie und Zärtlichkeit.

(Entnommen aus: Kleine Zeitung vom 15. Februar 2015)
Siehe auch: www.pastoralinnovation.at

Erholsamen Sommer!

Liebe Freunde der Annakirche, 

die Sommermonate sind zumindest bei Schülern und Lehrern die beliebtesten des Jahres. Auch Ihnen allen wünschen wir Freude am Sommer und erholsame Wochen in schöner Umgebung.
Was sagte da vor kurzem ein Vater: „Meine liebe Familie, während des Jahres gibt es oft viel zu tun. Der Sonntag ist dann der Tag der Ruhe. Doch jetzt ist Urlaub. Erholung und Ruhe lassen wir uns durch nichts verdrießen. Jetzt haben wir auch Zeit für die Seele. Was tut ihr gut? Denken, danken, beten.“
Recht hat er! Wer ihm Recht gibt, sucht selbständig zu denken. Sammlung, Andacht hilft. Kapellen und Kirchen laden dazu ein. Schau auf den Tabernakel, schau in dein Herz. Danke dem Herrn! Was immer dir gefällt, hat er dir geschenkt. Danken macht Freude. Wer dankt, gleitet ins Gebet.

Schlechtwetterprogramm:
Holen Sie sich Anregungen unter www.osfs.eu oder www.franzvonsaleslexikon.de

Ökumene abseits vom Reißbrett

Neulich saß ich wieder einmal am Samstagvormittag in der Kirche meiner Wohnpfarre, als einige mir vage bekannt vorkommende Leute bei der Tür hereinkamen, Instrumente aufbauten und mit einem umfangreichen Soundcheck begannen.

Nachdem ich mich von einigen Musikstücken in eine etwas andere Art der Gottesanrufung versetzen hatte lassen als ursprünglich geplant, verabschiedete ich mich von der Truppe mit der Vermutung, dass ich die übrigen Lieder wohl bei der am nächsten Sonntag stattfindenden Firmung hören würde.

Das wurde von den jungen Leuten verneint. Sie seien von der benachbarten evangelischen Gemeinde und übten für das wienweite Gustav Adolf Fest, für das man sich wegen der erwarteten Besucherzahl die größere katholische Kirche "ausgeborgt" hätte.

Ich muss gestehen, dass mich - für einen allerersten, unwillkürlichen Moment - eine Art Revierdenken durchzuckte.
Dürfen die denn das? Noch dazu am Fronleichnamstag, dem wohl katholischsten aller Feiertage??
Andererseits - die Prozession fand gemeinsam mit ein paar anderen Kirchengemeinden in der freien Natur statt, und "unsere" Kirche wäre sowieso leer gewesen.

Nun, es ist nicht so lange her, da hätten "sie" es wahrscheinlich wirklich noch nicht dürfen. Und obwohl in meinem eigenen Bewusstsein nicht alle Winkel hundertprozentig so weit sind, bin ich doch froh über die Weiterentwicklung in Sachen partnerschaftlich geteilter Lebensräume und Zulassen der Vielfalt von Zugängen.

Sogar, wenn das Akzeptieren der Pluralität richtiggehend anstrengend sein kann.
Ein paar Wochen zuvor hatte mich eine Freundin zu einem Fest der Zeugen Jehovas eingeladen. Ich wollte gerne versuchen, ihre offensichtliche Freude mit ihr zu teilen und mich auf das Geschehen einzulassen, doch natürlich konnte mein Gehirn die umherflitzenden Gedanken nicht abschalten:
Was genau wird da geglaubt, in welchen Punkten unterscheidet es sich nun wirklich von meinen Überzeugungen, mit welchem Verhalten ecke ich vielleicht an...?

Abgesehen also von der positiven Überraschung, dass die Ansprache auch in erster Linie von der Barmherzigkeit Gottes handelte, fand ich Konzepte vor, auf die ich persönlich mein alltägliches Leben nicht einstellen möchte, ohne diese jedoch präzise in Worte fassen zu können.
Was ich aber sagen kann ist, dass ich an dem Abend viel über mein eigenes Glaubensempfinden gelernt habe, beispielsweise welche Wahrheiten für mich unabhängig von Ritualen (bzw. der Abwesenheit davon) bestehen.

Zum Ausgleich amüsierte sich mein Hirn damit, folgenden Vergleich zu formulieren:
Die Religionen und Glaubensgemeinschaften sind wie Brillengeschäfte. Nicht alle haben die gleichen Modelle vorrätig, nicht jede Linse ist für jeden Menschen geeignet, aber alle Optiker sind bemüht, den Kunden eine jedenfalls ihrer aufrichtigen Überzeugung nach bessere Sicht zu vermitteln. Letztere profitieren von der Erfahrung, die die Anbieter nicht zuletzt aus dem Wettbewerb untereinander ziehen.

Aber eigentlich sollte es auf die Art des Sehbehelfes nicht ankommen.
Was letztlich zählt, sind die herzerwärmenden Gespräche über Gott mit einer Freundin oder eine unvermutete Gelegenheit, sich von einem Lobpreisgesang zu Ehren des Weltenschöpfers anstecken lassen zu können.

Oscar Romero - ein Heiliger der Gerechtigkeit


Oscar Romero (1917 – 1980) wird mit 60 Jahren innerhalb kürzester Zeit zum schärfsten Kritiker der sozialen Ungleichheit in seinem Heimatland El Salvador, der Menschenrechtsverletzungen und der Morde.
Der letzte Anstoß dazu ist die Ermordung seines Freundes Rutilio Grande SJ, den eine Todesschwadron erschießt. Grande hat Bauern im Kampf um ein Stückchen Land unterstützt.

Romero besucht die Gemeinden, sieht die Not, erfährt von den Verschwundenen und Ermordeten. In seinen Predigten, die der katholische Rundfunksender überträgt, nennt er die Namen der Opfer und der Täter.

Romero wird klar, dass er nicht mehr lange zu leben hat, weil er tut, was er tut. Er fährt nur noch alleine im Auto, niemand soll mit in den Tod gehen müssen. Eine Bombe beschädigt den katholischen Rundfunksender, als der wieder funktioniert, hält er am 23. März die Sonntagspredigt. Darin wendet er sich direkt an die Soldaten: "Wenn ein Mensch euch befiehlt zu töten, dann muss das Gesetz Gottes mehr gelten, das da lautet: Du sollst nicht töten! Kein Soldat ist verpflichtet, einem Befehl zu gehorchen, der gegen das Gesetz Gottes gerichtet ist." Zwei Tage später ist Romero tot.

Romeros Beerdigung endet im Chaos. Eine Bombe explodiert vor der Kathedrale, 40 Menschen sterben. Die einfachen Menschen, die Bauern, die Landlosen, wissen aber: Im Grab im Ostflügel des Doms liegt einer, der sein Leben gegeben hat für sie.

Hunderttausende Gläubige, neun Staatschefs, fünf Kardinäle und 75 Bischöfe und Erzbischöfe werden an diesem Pfingstsamstag zur Seligsprechung erwartet.
(Verkürzt nach einem Artikel der Süddeutschen Zeitung von Matthias Drobinski)